FELCO PASSION 2010

FELCO's magazine - Online version

Porträt: Paolo Fancelli

Sein Designer-Stil, "der mehr an ein Chamäleon als an einen Diktator erinnert"

Vor 10 Jahren betrat Paolo Fancelli erstmals die Büros in Geneveys-sur-Coffrane. Der Beitrag dieses Designers für FELCO Passion ist eine Erfolgsstory. Er teilt uns seine Gedanken über die Bedeutung eines Industriedesigns für FELCO mit.

Paolo Fancelli macht auf Anhieb klar:

"Ich gehöre nicht zu den Designern, die unbedingt die neusten Trends umsetzen möchten". Hinter seinem Einsatz verbirgt sich stets der Wunsch, die Qualität im Alltag zu verbessern. "Um die beste Lösung zu finden, muss man sich in die Lage der Person versetzen, die ein bestimmtes Produkt benutzen wird".

Blick zurück. Zehn Jahre sind vergangen, seit Paolo seine Arbeit für FELCO aufgenommen hat. Ein Industriedesigner bei FELCO?

"Meine Aufgabe besteht darin, die Qualität des Produktes über seine Form sichtbar zu machen und seine Benutzung zu vereinfachen", erklärt er. Paolo wurde schnell zu einem integralen Bestandteil des Entwicklungsteams, und spielt gerne die Rolle des "Naiven": "So kann ich dumme Fragen stellen, die manchmal Dinge ins Rollen bringen, die man schon festgefahren glaubte."

Häufig wird der Designer lange vor dem Herstellungsprozess eines neuen Werkzeugs um Rat gefragt.

"Wenn man ein neues Produkt erarbeitet, versucht man schnell Ideen zum Design und zur Ergonomie zu entwickeln", erklärt Marc Wermeille, Produktentwicklungsmanager. "Unsere Werkzeuge werden in der Hand gehalten und die Grifffestigkeit muss so perfekt wie möglich sein".

Sobald die Ideen Gestalt annehmen, stehen verschiedene technische Optionen zur Verfügung.

"Dieser Design-Ansatz ermöglicht uns, eine Anfangssortierung vorzunehmen und bestimmte Optionen, die vom technischen Standpunkt aus machbar, jedoch vom ästhetischen und ergonomischen Standpunkt aus nicht vertretbar sind, auszuscheiden, fügt Marc hinzu.

Ist das alles zum Thema Design?

Was ist mit der Ästhetik, der Ergonomie? Macht sich der Designer auch über andere Dinge als "Style" seine Gedanken? Für den Bruchteil einer Sekunde scheint Paolo irritiert zu sein.

"Wir sollten über das Wort Design nachdenken. Sie sehen es als eine Art der Formgebung. Für mich hat es eine umfassendere Bedeutung. Design ist alles, es ist Kreation, Ästhetik, Materialforschung, Ergonomie." Wenn Sie die Ergonomie vernachlässigen, erhalten Sie nur einen schönen nutzlosen Gegenstand... Designer, die zu dogmatisch sind, gehen dieses spezielle Risiko ein.

"Leichtgängige" Form

Der Industriedesigner beschäftigt sich auch mit der Ergonomie, die Marc folgendermassen definiert:

"die Fähigkeit eines Produktes, den Bedürfnissen des Benutzers optimal zu entsprechen". Das Werkzeug von FELCO muss mit dem Körperteil, mit dem es bedient wird, harmonisieren. Es agiert als eine "Verlängerung des Arms", erklärt Paolo.

Die Schere wurde für einen Gärtner entworfen und muss sich an dessen Eigenheiten und Arbeitsstil anpassen.

"Ich habe für FELCO natürliche, ausgewogene und leicht zu bedienende Formen konzipiert". Das Stichwort ist eindeutig: "leichtgängig". Es ist dies das zentrale Thema von Paolos Arbeit, erklärt Marc Wermeille.

Und im gleichen Zusammenhang erklärt der Designer, dass er

"insbesondere am Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Bestandteilen des entworfenen Werkzeuges" arbeitet.

Dank der Leichtgängigkeit und der unkomplizierten Art erfüllt die Form alle möglichen Gebrauchsanforderungen. Marc:

"In erster Linie wählt der Kunde sein FELCO-Produkt. Danach macht er sich dessen ergonomische Eigenschaften zunutze." Der Benutzer muss das Werkzeug so verwenden können, wie er dies bevorzugt. Natürlich sind sich die beiden Männer dessen bewusst, dass das Werkzeug für "einen bestimmten Verwendungszweck vorgesehen ist". Dennoch liefert eine offene, nicht einschränkende Ergonomie ein Werkzeug, das bei den meisten Personen gut ankommt. Sein eventueller Zweck ist unerheblich. Wer hätte gedacht, dass man das Modell FELCO 800 mit einem an der Oberseite befindlichen Abzugshebel gestalten könnte?

Die Suche nach geeigneten Lösungen

Die Aufgabe des Designers ist es, einen Gegenstand ästhetisch ansprechend, ergonomisch und modern zu gestalten. Und der Preis? Marc gibt zu, dass die Produkte, die von Paolo konzipiert werden, manchmal schwieriger herzustellen sind, als die der Mitbewerber. Daher sind sie auch etwas teurer. Doch geht es Marc darum, ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen den bei der Produktion auftretenden Schwierigkeiten und dem Mehrwert und Nutzen für den Benutzer zu finden. FELCO möchte seiner Tradition treu bleiben und seinen Kunden immer etwas mehr bieten. Und dies sowohl bei der Ergonomie als auch bei der Optik. Der ästhetische Aspekt ist für Produkte, die sich an professionelle Anwender richten, genauso wichtig.

Diese zusätzlichen Kosten, die die Arbeit des Designers in Frage stellen, rufen bei Paolo nur ein Lächeln hervor.

"Vor einigen Jahren erhielt ich den Auftrag, den Bürostuhl eines bekannten Herstellers neu zu stylen. Als das Modell fertig war, wurde ich kritisiert. Mir wurde vorgeworfen, dass die Kanten des Stuhls zu scharf seien und dass dies Probleme beim Stoffüberzug bereiten würde. Was passierte dann? Es wurde der meistverkaufte Stuhl in Europa. Er half dem Hersteller über die Krise des letzten Jahrzehnts hinweg."

Paolo ist kein absolut eigensinniger Designer.

"Wenn Marc mir sagt, dass ein von mir unterbreiteter Vorschlag aus technischen oder finanziellen Gründen nicht umsetzbar ist, dann muss ich ihn überarbeiten." In anderen Worten, er passt sich an und setzt seine Meinung nicht auf Biegen und Brechen durch. Wie er selbst über sich sagt: "ich bin eher ein Chamäleon als ein Diktator." Er bevorzugt also die Kommunikation mit den Mitgliedern des Entwicklungsteams und profitiert vom Know-how des Unternehmens, um geeignete Lösungen für Problemstellungen zu finden.

Seit seiner ersten Aufgabenstellung für das Modell FELCO 800 ist einige Zeit vergangen. Für Marc Wermeille hat das

"Design seinen Platz in der Welt der Werkzeuge eingenommen. Es ist zu einem Schritt im Entwicklungsprozess geworden und trägt zur Änderung von Werkzeugen bei." Er unterstreicht seine Botschaft mit den Worten: "wir könnten auch sagen, das Design ist ein Schritt, der nicht mehr wegzudenken ist".

SH